Sa
12
Aug
2000
(ek / jük)Von langer Hand geplant war unsere kombinierte Rad- und Wander-Tour am Wilden Kaiser in Tirol im Sommer letzten Jahres. Jürgen Knapp, Franz Risch, Gerhard Hautz, Patrick Hautz, Rüdiger Welker, Eric Kolling
und Gast Bruno Girardi waren die Unerschrockenen, die es sich zutrauten die Gipfel rund um das Kaisergebirge zu erklimmen und zu erstrampeln. Monatelanges Radfahrtraining, summa summarum einige
hundert Kilometer, mussten die Beteiligten im Voraus schon bewältigen. Uli Faber konnte leider nicht mitfahren, ahnte aber schon im Voraus, was sich in Österreich zutragen würde und schenkte Eric
zum Geburtstag ein umfangreiches Fahrrad – Reparaturset. Leider nur mit beschränktem Erfolg. Aber hierzu später.
Der Ruf „nach Rechts“!!
Gegen Mitternacht am Samstag, dem 21.8.2000 fuhren wir los. Franz übernahm das Steuer unseres Renault-Gespannes und forderte somit auch das Recht ein die Radiosender zu bestimmen, die im Übrigen
bei den restlichen Insassen nicht immer Begeisterungsstürme hervorriefen. Bekannt herzlich wurden wir am frühen Sonntagmorgen von Familie Hautz in Gasteig empfangen und bezogen nach einem
reichhaltigen Frühstück erstmals in den freundlichen Zimmern der Pension Hautz Quartier. Nach einer kurzen Ruhephase wollten wir die Gegend um die Pension Hautz erkunden. Leider verschlief ein
Teil der Crew und verpasste so den ersten „Spaß“. Der Ruf „Rechts“ machte an diesem Tag die Runde und führte am
Abend zu erheblichem Diskussionsbedarf. Gerhard, der im Übrigen diese Gegend wie seine Westentasche kennt (eigene Aussage) kannte natürlich eine Abkürzung mit der man weit schneller vom
Kaiserbachthal nach Gasteig kommt. In unwegsamen und offensichtlich noch nie erschlossenem Gelände mussten danach mit Ihm auch Jürgen, Bruno und Rüdiger die Fahrräder über fast eine Stunde auf
Schultern tragen, da durch Morast und schwierigen Gelände fast kein Durchkommen war. Die Weißbierrunde am Abend war somit erstmals gesichert.
„Tour-de-Tirol mit Martin „Zabel“
Das Training hatte sich gelohnt. Unser Gastwirt Martin begleitete uns heute auf einer (seiner) Tour. Bei brütender Hitze schleifte er uns von einem Berg zum nächsten. Alpes d’Huez- oder besser
Tour-de-Tirol-Feeling kam auf. Glück im Unglück hatte Jürgen an diesem Tag. Nach einem unfreiwilligen „Abstieg“ und einem vier Meter tiefen Sturz konnte er unverrichteter Dinge mit nur einigen
kleinen Blessuren weiterfahren. In dieser Nacht konnte sich keiner des Teams über schlechten Schlaf beklagen.
Der rasante Aufstieg
Denjenigen, die weniger trainiert hatten, taten heute die Beine weh. Grund genug, eine geruhsame Wandertour durch den Vorderkaiserkamm zu unternehmen. Nach dem obligatorischen Postkartenschreiben
beim Frühstück ging es dann los. Dank Jürgens Höhenmesser konnten wir unseren dann doch schweißtreibenden Fortschritt an diesem Tag genau im Auge behalten. Über Niederalm, Metzgeralm und
Bacherlalm führte uns Jürgen durch eine wunderschöne Bergwelt. Die Truppe erwies sich heute als äußerst fit und konnte am späten Nachmittag sogar noch einen Trip ins Schwimmbad zu St. Johann
unternehmen. Gerhard fand in der angenehmen Atmosphäre des kühlen Bades auch sehr schnell „Bewunderung“. Foto
vorhanden – aber nicht veröffentlicht.
Das Chaos hat einen Namen – Pannen-Eric
Eine ausgedehnte Tour sollte heute anstehen. Bis zum Pillersee wollten wir kommen. Zunächst lief auch alles glatt. Dann machte sich Erics Pedal langsam aber sicher selbständig. Gott sei Dank
erwiesen sich die einheimischen als sehr hilfsbereit und zimmerten mit schwerer Ausrüstung das schon verdächtig in Mitleidenschaft gezogene Pedal wieder an. Ein nettes Provisorium – nicht mehr.
Genau 12 Uhr schlug die Kirchenglocke in St. Jakob, als Eric die nächste Panne an seinem Gefährt feststellte.
Diesmal hatte ihn ein Plattfuß ereilt. Und Ulis Reparatur-Set hatte er vorsorglich in der Pension gelassen – um Gewicht zu sparen. Rüdiger und Jürgen verdienten sich ihren Doktortitel einen schon
zwanzig Mal geflickten Schlauch noch mal zu reparieren – Respekt. Zwanzig Minuten später Entwarnung. Reparatur erfolgreich abgeschlossen. Doch der Ärger sollte weiter gehen. Nun machte wieder das
Pedal Ärger. Zunächst einmal galt es am Pillersee zu entspannen. Das Baden im 10° kalten Gebirgssee war nicht Jedermann Sache. Aber ab diesem Zeitpunkt war Schluss mit Lustig – das Problempedal
quittierte nun endgültig nur wenige Minuten nach Beginn der Weiterfahrt seinen Dienst. Zum nächsten Ort ging es über eine stark befahrene Bergstraße. Diesen Weg musste Eric im Schneckentempo
zurücklegen. Dies allein war nicht ungewöhnlich- aber nun auch noch mit nur einem Pedal! Fast der gesamte Rest der Truppe fuhr vor und organisierte in Waidring ein neues Pedal. Gerhard wurde auf
dem Weg dorthin fast noch von zwei wildgewordenen Hunden verspeist, und die Sache mit der Angelschnur im Schaltwerk seines Rades führte noch zusätzlich zu Ärger und einer weiteren notwendigen
Reparatur. Der Monteur im Intersportladen staunte nicht schlecht, als er Erics Rad mit der lächerlichen Krokodilhupe – und ohne Pedal zu Gesicht bekam. Zu allem Überfluss hatte sich (wie sollte
es auch anders sein) auch bei Eric Angelschnur im Schaltwerk verfangen. Eine Weiterfahrt mit der stressigen „Kettler-Störung“ war ausgeschlossen. Also hieß es umsteigen auf ein Leih-Bike. Im
Preis war natürlich das Ummontieren des Krokodils inbegriffen. „Das Krokodil scheint doch nicht dein Glücksbringer zu sein“ meinte Patrick und sollte Recht behalten. Extra ummontiert sorgte die
Kroko-Hupe auch in der Folge für Unglück. Im Schottergelände nur wenige Minuten nach der Weiterfahrt wollte Eric dann den ersten Schwung abbremsen (natürlich mit der Vorderbremse) und schwang
sich unfreiwillig und äußerst spektakulär mit Höchstnoten für die Haltung über den Lenker vom Rad. Bei soviel
Pech musste der Tag aber auch etwas Gutes haben: am Abend stand in der Pension Hautz ein Grillabend an, den vor allem Franz nutzte, um die leeren Kalorienspeicher aufzufüllen. Eine Eisschnitte
mit Karamellobers zum Nachtisch – das musste für den Gourmet der Truppe schon sein!
Ruhetag beim Sepp
Ohne sich zu verlaufen geht es wohl nicht. Die Erfahrung machten Patrick und Eric am nächsten Tag. Nur einige Minuten aus den Augen gelassen, schlugen sie ihren eigenen (falschen) Weg ein.
Unser Weg führte uns durch die Griesbachklamm hinauf zur Angerlalm wo wir einen herrlichen Tag verbrachten. Den
Weg zur Klamm in Erpfendorf und auch zurück nach Gasteig beschritten wir auf Rädern. Nach dem gestrigen Tag war es heute ruhig, Keine Schäden keine Verletzte.
Vandalismus via Franz
Heute wollten wir es wissen. Der berühmte Kössen-Weltcup-Rundkurs (40 km), stand auf dem Programm. Da das Rennen für Altprofis am darauf folgenden Wochenende stattfinden sollte, trainierten
schon viele der „Veteranen“ auf dieser Strecke. Diese ließen uns so „alt aussehen“, dass wir ständig
befürchteten, überrundet zu werden. Anschließend begutachten wir noch den Hundertwasser-Bau in der Nähe von Oberhofen. Seit diesem Tag ist ein Hausmeister auf den „Vandalen“ Franz nicht mehr gut
zu sprechen. Der hatte unerlaubterweise und ohne zuvor einen schriftlichen Antrag bei der Behörde zu stellen einen Gehweg mit dem Rad befahren! Noch ein wenig Schwimmen und ausspannen – morgen
sollte es zurück in den Alltag gehen. Den unglaublichen Vorschlag von Marathon-Franz am nächsten Tag noch vor der Heimfahrt kurz zum Kitzbühler Horn aufzusteigen wurde in Hinsicht auf die
schmerzenden Glieder einstimmig abgelehnt.
Rückfahrt der Leiden
Leider war die Rückfahrtzeit etwas ungünstig gewählt. Bei brütender Hitze landeten wir prompt noch im Stau und kamen erst spät abends wieder im heimischen Hollywood an.
Fazit: Ein Abenteuerurlaub, den wir dringend wiederholen müssen – allerdings mit teilweise besserem Gerät!!
Klasse Bericht - Top Fotos. Schön, nach 10 Jahren die Ausführungen mal wieder zu lesen... War eine schöne Tour
Gruß Rüdiger
Hallo Rüdiger, danke für den Eintrag. Nach dem ich die Fotos wieder gesehen habe, wurden viele Erinerungen geweckt... war wirklich `ne schöne Tour.
Schöne Grüße
Jürgen
